Pressemitteilung

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http://www.forum-pfarrblatt.ch/archiv/2013/forum-nr-22-2013/in-den-tod-geboren/

 

 

 

Pressemitteilung

Am Sonntag 18.11.2012 um 17.00 Uhr fand in der Liebfrauenkirche Zürich, die überkonfessionelle Gedenkfeier für verstorbene Kinder statt.

 

Eingeladen waren Alle die um ein Kind trauerten: Eltern, Geschwister, Grosseltern, Paten, Freundinnen und Freunde und Menschen in betreuenden Berufen.

Eltern die Ihr Kind verloren haben leben mit einem grossen Schmerz, aber auch mit wunderschönen Erinnerungen. Nichts ist mehr, wie es vor dem Tod des Kindes war. Betroffene müssen mit dem Verlust zurechtkommen. Ob das Kind vor der Geburt, wenige Tage alt, als Kleinkind, als Jugendlicher oder als Erwachsener gestorben ist, der Verlust ist unermesslich und schwer zu ertragen. Tiefe unendliche Trauer. Eine Mutter erzählt: "diese Art von Trauer kenne ich erst seit dem Tod meines Kindes. Es traf mich wie aus heiterem Himmel. Fröhlich ging meine Kleine aus dem Hause und das letzte Winken, bleibt mir ewig in Erinnerung. Was dann auf mich hereinbrach, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es war ein Alptraum. Ich funktioniere einfach, lebe ich eigentlich noch? Meine Familie braucht mich trotz aller seelischen Schmerzen, aber ein Teil meines Herzens ist mit meiner Kleinen weggegangen. Niemand kann mir helfen. Mein Mann bemüht sich, geht aber jeden Tag an seinen Arbeitsplatz. Meine Freunde versuchen mir beizustehen, ihr Alltag geht aber weiter. Die Zeit vergeht. Ich denke täglich mehrere Male an meine Kleine und vermisse sie so sehr. Endlich raffte ich mich auf, in die Kirche zur Gedenkfeier für verstorbene Kinder zu gehen. Mit klopfendem Herzen sass ich nun da, alleine und doch inmitten von ebenso trauernden Menschen. Tränen rollten mir einfach über die Wangen. Ich liess es geschehen, schämte mich das erste Mal seit langem nicht dafür. Ich fühlte mich getragen. Ich spürte die Trauer der Menschen und die Hoffnung in den Worten, die an mein Ohr drangen. Ich ging den "Trauerweg" durch die Kirche zu den Symbolen und legte einen "Stern" mit dem Namen meines Kindes beim Symbol der Tränen ab. Ich erhielt eine brennende Kerze und stellte sie zu ganz vielen anderen Kerzen auf den Tisch. Es tat mir so gut. Wie in einem Sog folgte ich nach der Feier den Menschen und trank einen Tee dann ging ich getröstet nach Hause. Ich durfte mit meinen Gedanken ganz bei meinem Kinde sein, durfte traurig sein, durfte Kraft schöpfen und durfte ganz einfach unter Menschen sein, die mich ohne Worte verstanden. Ich möchte im nächsten Jahr wieder Dabeisein um Dir, mein Kind, ganz nahe zu sein".

Vor neun Jahren hat auf Initiative einer betroffenen Mutter ein unabhängiges Team von Spitalseelsorgern, Betroffenen und Pflegenden sich dem Wunsch, den verstorbenen Kindern eine Gedenk-Stunde zu widmen, angenommen. Überwältigt von den vielen Besuchern und den positiven Rückmeldungen arbeitet das Team das Jahr hindurch an der Gestaltung der Feier. Den Eltern und allen Besuchern gibt die Feier die Möglichkeit an ihr verstorbenes Kind zu denken und in Ritualen Kraft zu schöpfen. Im Bewusstsein mit dem Verlust nicht alleine zu sein, und ohne "Worte" verstanden zu werden, kommen viele direkt oder indirekt Betroffene jedes Jahr wieder.

Die gut gefüllte Kirche bestätigt dem Team das Bedürfnis, den verstorbenen Kinder eine Zeit des Gedenkens zu widmen. Die sechs Symbolstationen in der Kirche ermöglichten den Besuchern, ihr Symbol in Form eines goldenen Papiersterns hinzulegen und vielleicht damit für sich eine Geste der besonderen Erinnerung zu machen. Die über 400 kleinen Kerzen, jeder Besucher durfte eine Kerze anzünden, leuchteten mit grosser Kraft und liessen die Kirche hell erstrahlen. Licht ist Hoffnung und Kraft für den Alltag.

Vielleicht entstanden beim anschliessenden "Kaffee und Kuchen" im Pfarreizentrum neue Bekanntschaften, die helfen können, die Erlebnisse besser in den Alltag zu integrieren.

Ganz viele Helfer im Vorder- und Hintergrund bemühten sich, den Eltern und den Besuchern eine Zeit des Erinnerns zu ermöglichen und sie mit neuer Kraft in den Alltag gehen zu lassen. Darum wird am 17. November 2013 um 17.00 Uhr wieder die Gedenkfeier in der Liebfrauenkirche stattfinden.

 

Susanna Ackermann-Wittek, Teammitglied Gedenkfeier, Zürich, 19.11.2012 susanna.ackermann@bluewin.ch